TAGU

Kurt thront auf dem Stahl

Sperrige Plattform von Brake nach Odessa auf dem MS „Beluga Stavanger“

MS „Beluga Stavanger“ bringt Spundwand in spe und komplette Barge zum Hafenbau in die Ukraine nach Odessa.

Er kann baggern, rammen, vibrieren, schwimmen und vieles mehr. Doch eines konnte Kurt, die so genannte 50 Meter lange und 22 Meter breite Arbeitsplattform der Tiefbau GmbH Unterweser (Tagu) bislang nicht: fliegen. Seit 5. September kann Kurt auch dies.

Dann nämlich ging Kurt auf die Reise nach Odessa. Am Tag davor ging er erstmals in die Luft. Die einzige Schwierigkeit dabei: Mit knapp 1000 Tonnen ist er auch als Arbeitsplattform kein Leichtgewicht. Selbst für die zwei kräftigen Kräne des Mehrzweck-Schwergutfrachters MS „Beluga Stavanger“, die ihn in die Luft brachten, war er damit keinesfalls ein Klacks. Denn die beiden jeweils für 700 Tonnen ausgelegten bordeigenen Kräne können als Tandem zwar problemlos sogar 1400 Tonnen heben, aufgrund von Kurts Dimensionen aber mussten sie bei diesem Hub ihre Hebearme so weit ausfahren, dass ihre Belastung durch die Hebelwirkung bei dieser Verladung enorm war.

Mit Spannung verfolgten daher auf den Kaianlagen etliche Zuschauer und Experten diese bemerkenswerte Verladung. Mannschaft und Material des MS „Beluga Stavanger“ demonstrierten überzeugend ihr Können. Um die sperrige Plattform im Hafen von Brake an Bord des 20.000-Tonnen-Mehrzweck-Schwergutfrachters überhaupt liften zu können, wurden zuerst ihre herausragenden Masten und Aufbauten demontiert. Dann hoben die beiden Kräne die sperrige Fracht Zentimeter für Zentimeter langsam aus dem Wasser der Weser. Als Kurt endlich komplett unter den Bordkränen über dem Hafenbecken baumelte, krengte die „Beluga Stavanger“ dabei nur ganz wenig. Die enorm starken Pumpen ihres hochleistungsfähigen Ballastwassersystems sorgten für permanenten Ausgleich jeglicher Verlagerung ihres Schwerpunktes.

Angeschäkelt mit dicken Stahlseilen hing Kurt nun mit seinem gesamten 1000 Tonnen Gewicht allein an den Kränen, die ihn mit ihren Haken wie mit zwei gigantischen Krallen festhielten. Eine ihrerseits tonnenschwere Traverse drückte dabei die Stahltrossen auf Abstand. Allein das für diese Verladung nötige Geschirr hatte es mit einem Gewicht von 30 Tonnen in sich.

Was nun begann, war allerdings die eigentliche Herausforderung dieser Ladeoperation. Denn das Besondere bei diesem Lift in Brake war nicht Kurts Gewicht an sich, sondern seine gewaltige Dimension. Bei seiner Länge von 50 Metern, seiner Deckshöhe von drei Metern und seinen 22 Metern Breite war es der Virtuosität beider Kranführer, den exakten Berechnungen der Transportingenieure von Beluga Shipping und dem geschulten Augenmaß von Igor Savin, dem 37 Jahre alten Kapitän des MS „Beluga Stavanger“, zu verdanken, dass der Koloss langsam und präzise an Deck gehievt werden konnte. Dabei musste er zwischen den Kränen hindurch in einer weiten Bewegung quer gedreht werden. Und genau hierfür musste der Ausleger eines der Kräne 28 Meter weit ausfahren und dabei dennoch weiterhin die Hälfte von dem gewaltigen Gewicht der Plattform meistern - eine gewaltige Hebelbelastung.

Doch jede Extrembewegung, jegliche Belastung dieser Operation hatten die Experten der reedereieigenen Ingenieursabteilung Schritt für Schritt genau berechnet und vorexerziert. Nun galt es, Theorie in Praxis zu verwandeln: Langsam und präzise leiteten dabei die Führer der Kräne Kurt wie ein gigantisches fliegendes Tablett zwischen ihren beiden Krangestellen hindurch. Zentimeter für Zentimeter, jede Bewegung saß. Nach spannenden vier Stunden seit erstem Anheben schließlich stand Kurt in Längsrichtung an Deck. Kräne und Crew hatten ihr ganzes Können gezeigt. Nun begann die sorgfältige Verlaschung der reisenden Arbeitsplattform.

„Knapp 1000 Tonnen Einzelgewicht – das war auch für uns als Weltmarktführer im Projekt- und Schwergutmarkt kein alltäglicher Schwergutauftrag“, resümiert Tambek Jakson, Cargo Superintendent von Beluga Shipping, zufrieden über diese Projektverladung. Er hatte dem Kapitän bei der Verladung permanent beratend zu Seite gestanden. Bereits im Vorfeld dieser Verschiffung waren umfangreiche Vorbereitungen notwendig gewesen: „Die Plattform ist eigentlich nicht für Verladungen konzipiert“, erklärt Jakson, „unsere Ingenieure hatten hierfür deshalb besondere Beschläge designt, die extra am Schiff angebracht wurden." Bereits die einzelnen Schäkel seien eine Klasse für sich gewesen: Einige wogen 600 Kilogramm.

In Odessa in der Ukraine soll Kurt die bestehenden Hafenanlagen ausbauen. Unter seinem kompakten Körper reisten hierfür etliche tausend Tonnen Stahl mit ihm auf der „Beluga Stavanger“ in die Ukraine. Denn während der fünftägigen Liegezeit in Brake wurden nicht nur Spezialgeräte, sondern die mehrere tausend Tonnen wiegenden Stahlprofile von ThyssenKrupp verladen. In einer wahren Fleißarbeit stapelte die Crew die mehr als 30 Meter langen Profile in vier Lagen übereinander im Frachtraum unter Deck. Erst als die Mannschaft über diesen die Lukendeckel geschlossen hatten, kam Kurt - quasi als massiges i-Tüpfelchen des Ganzen - an Bord.

Samt seiner schweren Fracht stach das MS „Beluga Stavanger“ am 5. September gegen 20:30 Uhr mit dem Hochwasser in See. Am Freitag, 17. September, erreichte das Schiff pünktlich Odessa. Nach rund 4000 Seemeilen Reise setzten die bordeigenen Kräne des Mehrzweck-Schwergutfrachters die Arbeitsplattform vor der ukrainischen Metropole direkt ins Schwarze Meer ab, und auch mit ihrer Hilfe wurden die Aufbauten und Masten an Deck wieder installiert. Für Kurt war damit erst einmal der passive Part des Projektes vorbei. Fortan muss er selbst richtig arbeiten: Er soll unter anderem die mit transportierten Stahlprofile zu einer neuen Spundwand in den Meeresboden rammen und vibrieren. Bis er nach Projektende zurück nach Hause kann, wird es noch eine Weile dauern.

Weitere Informationen über das MS „Beluga Stavanger“ und die P-2-Serie

 

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